Kontext:
Im vergangenen Sommer bot sich mir die Gelegenheit, für einen «Cypher» (Hip Hop Freestyle Event) den Beat beizusteuern. Diese Gelegenheit packte ich am Schopf und produzierte ein Instrumentalstück. Ich rutschte wieder etwas stärker in die Szene und setzte mich mit neuem Elan an die Produktion von Beats. Gemeinsam mit einem Freund beschlossen wir neue Kreativformate zu kreieren. Eines davon ist eine Art «Speed-Beat-Making», um in möglichst kurzer Frist viele Ergebnisse zu erzielen. Dabei entstand das Format mit dem Arbeitstitel «2 Beatmaker, 6 Stunden, 12 Beats».
Am vergangenen Wochenende trafen wir uns auf zwei Open-End Test-Sessions, um für das künftige Format erste Erfahrungen zu sammeln. Folgende Rahmenbedingungen haben wir festgelegt:
- Beide arbeiten mit dem bevorzugten Equipment im selben Raum (Kopfhörer).
- Beide nutzen dasselbe Soundmaterial (Samples) um jeweils einen Beat zu kreieren.
- Pro Beat veranschlagten wir 2x 25 Minuten (Sound-Pomodoros).
- Zwischen den Sessions 5 Minuten Pause / Vorstellen des aktuellen Stands und Kurzfeedback.
Einsichten:
- In den Wochen vor der Session war ich deutlich zu wenig im Schaffensprozess drin. Die fehlende Praxis führte bei mir zu weniger Flow und Ergebnissen und ich kämpfte vereinzelt mit Blockaden.
- Trotz Vorbereitung (Vorselektion von Samples) benötigten wir viel Zeit, um gemeinsame Samples zu finden, die wir für die Produktion der Beats nutzten.
- Samples zu finden, die uns gleichermassen inspirierten, ist nicht immer einfach.
- Offene Kopfhörer können störend sein, da die Musik des anderen gut zu hören ist. Beim Einspielen neuer Takte war das manchmal sehr anstrengend.
- Es war sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich wir mit demselben Soundmaterial arbeiteten und was jeweils daraus kreiert wurde.
- Es war spannend, wie ich mich motivierte, um nach jeder Session ein Resultat zu haben.
- Es ist in Ordnung, nicht nach jedem Sound-Pomodoro einen Beat vorweisen zu können.
- Es ist sehr schwierig per Knopfdruck in so kurzer Zeit kreativ zu sein, es braucht mehr Routine.
- 12 Beats waren für die Testphase ein zu hoch gestecktes Ziel.
- Wir verbrachten eine inspirierende Zeit, hatten Spass und fanden in den Kreativprozess zurück.
Folgerungen:
- Ich werde regelmässig, falls möglich, täglich an Beatprojekten arbeiten, um die notwendige Routine aufrecht zu erhalten und um im Prozess zu bleiben.
- Um den Ablauf reibungsloser zu gestalten, werden wir die einzelnen Samplepacks im Vorfeld fertigstellen, untereinander abstimmen und vorselektieren (6 Sets pro Person).
- Es empfiehlt sich, dass alle Beteiligten Kopfhörer in geschlossener Bauform verwenden.
- Wir halten daran fest, dass alle Beteiligten mit demselben Material arbeiten.
- Das Ziel der 12 Beats wird vorerst beibehalten und neu überprüft (nach der Optimierung).
- Die Form der 2 Sound-Pomodoros wird weiterhin beibehalten.
- Wir werden 1 mal im Monat eine Session organisieren.
Anschlussfragen:
- Sollte das Format zur Steigerung des Ertrags auf 3-4 Personen ausgebaut werden?
- Wäre es möglich, aus den kreierten Beats im Anschluss eine Art «Mixtape» zu erstellen?
- Würde es Sinn machen, bei erfolgreicher Weiterentwicklung noch MCs ins Boot zu holen?
- In welcher Form könnte der Schaffensprozess auf interessante Weise festgehalten werden?
