Kontext
Im Jahr 2021 habe ich meinen Bachelor in Kunstgeschichte an der Universität Zürich abgeschlossen. Danach war ich unsicher, welchen Weg ich mit diesem Abschluss einschlagen sollte, da ich fand, das Wissen was ich erlangt hatte, sich in Wahrheit sehr weit weg von der effektiven Materie – der Kunst – befand. Im Herbst 2024 entschied ich mich daher, am IADE der Hochschule für Gestaltung und Kunst (HGK) das Studium aufzunehmen. Einerseits erhoffte ich mir einen stärkeren praktischen Bezug, jedoch waren für mich die reflektierenden Herangehensweisen der vermittelnden Position ebenfalls zentral. Im Studium wurde mir schnell bewusst, dass Räumlichkeiten in der Vermittlung eine zentrale Rolle spielen – sowohl architektonisch als auch sozial. Fragen wie: Wer stellt wo aus? Wer hat Zugang zu kunst- und Kulturinstitutionen, und wer nicht? Wer leitet die Institutionen? etc. wurden immer wichtiger für mich. Besonders im Modul „Raum als Kontext“ bei Eva Chen, die ursprünglich Szenografie studiert hat, bevor sie ans IADE kam, wurde mein Interesse für die Forschung am Raum geweckt, weshalb ich im Herbstsemester 2024 mein HGK-internes Austauschsemester am IN3 begonnen habe. Ich hatte auch Respekt davor, da ich wusste, dass ich viele der Skills, die Studierende des 3. Semesters bereits haben, selbst noch nicht mitbringe. Trotzdem habe ich mich voller Freude und Neugier darauf eingelassen. Teil des Semesters ist das Entwurfsprojekt, wo wir soeben die erste Phase „Analyse und Recherche im Entwurf“ vergangenen Donnerstag mit der zweiten Zwischenkritik abgeschlossen haben.
Einsichten
- Ich wurde von Anfang an sehr liebevoll und unterstützend im IN3 begrüßt, was den Einstieg einfacher gemacht hat.
- Die Module, die ich besuche, decken genau die Bereiche ab, die mich besonders interessieren.
- Beim Semesterprojekt wurde ich etwas ins kalte Wasser geworfen, da die Ansprüche dort etwas anders sind als in den restlichen Modulen, da auch Studierende aus dem 5. Semester mitarbeiten.
- Während am IADE die Recherche- und Konzeptphase zwar vorhanden ist, aber weniger Gewicht hat und der Fokus stärker auf der Ausführung liegt, schätze ich am IN3 die vertiefte Auseinandersetzung mit Materialien, Umsetzungs-möglichkeiten und den Detaillierungsgrad der Konzepte.
- Die Tischgespräche empfinde ich als sehr produktives Format, welches den persönlichen Abreitsflow positiv vorantreibt.
- Die Arbeit in Gruppen ist für mich relativ neu. Ich habe gemerkt, dass ich teilweise Mühe habe, Arbeit abzugeben.
- Generell ist die Arbeit am IN3 ist in meinen Augen um einiges aufwändiger vom Workload her, als am IADE. Das liegt sicher auch daran, dass mir anfangs einige Kenntnisse gefehlt haben.
Folgerungen
- Die vertiefte Auseinandersetzung mit Materialien und die Arbeitsweisen/-flows am IN3 empfinde ich als bereichernd und möchte diese in meine zukünftige Praxis integrieren.
- Ich möchte lernen, besser in Gruppen zu arbeiten und muss lernen, dass sich meine Arbeitsweisen von denen anderer Menschen unterscheiden, dies jedoch sehr bereichernd sein kann und eine Arbeitsteilung begünstigen kann.
- Wenn man sich etwas traut und sich etwas Zeit gibt, kommt man relativ schnell in einen bisher fremden Workflow rein. Ich habe reihenweise neue Methoden und Werkzeuge kennengelernt, die ich sowohl für meine Arbeit als Vermittlerin als auch für meine privaten Projekte unglaublich gut gebrauchen kann.
- Ein Wechsel zum IN3 kommt für mich trotzdem nicht infrage, da ich den freieren/künstlerischen Zugang am IADE sehr schätze und mir das Studium am IN3 insgesamt etwas zu technisch ist.
- Einen Austausch – intern sowie extern – empfinde ich extrem hilfreich und bereichernd. Ich finde es schade, dass dieser Austausch zumindest intern erschwert werden soll. Wissensaustausch ist so wichtig. Wenn er innerhalb einer Institution stattfindet, finde ich ihn genau so fruchtbar, da man die Infrastruktur bereits kennt und dadurch meiner Meinung nach sehr produktiv arbeiten kann.
- Ein Austausch macht vor allem dann Sinn, wenn er dazu dienen kann, die eigenen Arbeitsweisen zu begünstigen und zu erweitern
- Für mich kommt ein zweites Austauschsemester – das nächste Mal im Ausland – definitiv in Frage
Anschlussfragen
- Wie kann ich die Balance zwischen künstlerischem Freiraum und technischer Genauigkeit in meiner Arbeit optimal gestalten?
- Was sind Methoden, welche für mich die Zusammenarbeit mit anderen Menschen weniger stressig gestalten können?
- In welche Bereiche könnte ein nächstes Austauschsemester führen?
