Seit nun ziemlich genau 4 Jahren gehe ich mit dem Tätowieren Hand in Hand durchs Leben. Mal inniger, mal etwas distanzierter. Anfänglich, gelenkt durch die Euphorie und Neugier, welche jeder Neuanfang mit sich bringt, später durch Lernerfolge und Niederschläge, bis hin zum frühzeitigen Rücktritt. So würde ich diese 4 Jahre ganz grob beschreiben. Ich habe mir über diese Zeit das Handwerk des Tätowierens autodidaktisch beigebracht und habe sehr viel über die Tradition, die menschliche Haut und über das Handwerk selbst gelernt. Dies im ständigen Zusammenhang mit der Kreierung von neuen Motiven, Austausch mit fremden Menschen, erbringen von Dienstleistungen und Findung nach intrinsischer Motivation.
So war eigentlich im Frühling 2022, nach Bezug meines zweiten und grösseren Ateliers, vorgesehen, dass ich jetzt regelmässiger und professioneller an die ganze Geschichte herangehen werde. Gerade im Zusammenhang mit meinem Studium, den gestalterischen und finanziellen Aspekten, habe ich mir vorgestellt, dass all dies wunderbar miteinander in einhergeht. So habe ich mir gedacht, könnte ich mühelos eine Person pro Woche tätowieren und somit mein Handwerk stetig verbessern und nebenbei noch einen guten Erwerb einfahren.
Einsichten:
– Schnell wurde mir klar, dass aufgrund der Dichte im Studium und im Privatleben, wenig Zeit für das Tätowieren blieb.
– Zudem fehlte mir somit auch die Zeit, ständig neue Motive zu zeichnen.
– Durch Verlust von Zeit und Minimierung von tätowieren und zeichnen, nahm auch meine Freude und Motivation stetig ab.
– Schwierige Vermarktung, weil ich kein Social Media habe.
– Mögliche Stagnierung durch fehlende Praxis – keine Verbesserung meiner Skills, vielleicht sogar Verschlechterung.
– Trotzdem gab es immer wieder viele schöne und erfolgreiche Sitzungen und Termine.
– Motivationsschübe kamen meist willkürlich und mit diesen auch der Schaffensdrang.
– Fokus auf traditionelle Tätowierungen um somit Zeit zu sparen.
Folgerungen:
– Ich muss mir bewusst wieder mehr Zeit einplanen und mich mehr mit der Materie auseinandersetzen.
– Durch viel Zeichnen von neuen Motiven steigt automatisch die Motivation.
– Viele neue Designs erstellen um einen grösseren Fundus für potenzielle Kund:innen zu haben.
– Frühere Kund:innen und Freund:innen anfragen, ob sie wieder mal Lust auf ein Tattoo hätten.
– Mehr mit Menschen aus der Szene reden und Zeit verbringen, um somit auch mehr zu lernen.
– Eventuell die Geschichte mit Social Media nochmals überdenken.
Fragen:
– Soll ich mir neben dem ohnehin schon aufwändigen Studium mehr Zeit für das Tätowieren einplanen, oder soll ich es auf meine Semesterferien verlegen?
– Lohnt es sich denn überhaupt noch, wenn ich nur so selten tätowiere?
– Was braucht es, um wieder Freude daran zu erlangen?
