Kontext:
Seit Mai 2023 bin ich als Serviceleiterin bei der «Walther Buvette & Bistrobar» tätig. Zu Beginn des Sommers erlebte der stellvertretende Geschäftsführer ein Erschöpfungssyndrom, und es wurde schnell klar, dass diese Arbeitsumgebung für ihn weder momentan noch in naher Zukunft gesund ist. Zusätzlich haben drei weitere Serviceleiter:innen vor dem Start der Sommersaison gekündigt. Somit standen der Geschäftsführer und ich als letzte Serviceleiterin mit einem neuen Team allein, und das zu Beginn des Sommers – nicht ideal für eine Buvette. Ich habe mein Bestes getan, um während des Sommers für alle Mitarbeiter:innen da zu sein, besonders um den Geschäftsführer zu unterstützen.
Einige Monate später übernehme ich in meinem Nebenjob faktisch die Rolle der stellvertretenden Geschäftsführerin (ohne offiziellen Titel) und erledige viele Aufgaben, die eigentlich nicht in meinen Verantwortungsbereich fallen. Dazu gehört beispielsweise die Neugestaltung der Bistrobar im Erdgeschoss des Hauses, die im Winter oder bei schlechtem Wetter anstelle der Buvette geöffnet ist. Leider bleibt das Gästevolumen hinter den Erwartungen zurück. Aus diesem Grund traf ich mich letzten Montagabend mit dem Geschäftsführer in der Bistrobar. Die Rahmenbedingungen für das Gespräch wurden nicht festgelegt, nur die Uhrzeit, der Ort und das grobe Thema
Einsichten:
- Die fehlenden Rahmenbedingungen führten dazu, dass der genaue Inhalt des Gesprächs unklar war, und es wurde kein realistisches Ziel verfolgt. Dadurch konnte ich mich nicht angemessen vorbereiten und das volle Potenzial des Gesprächs wurde nicht ausgeschöpft.
- Das Treffen in der Bistrobar hatte Vor- und Nachteile. Es schuf eine klare Trennung zwischen Privat- und Arbeitsleben, aber ich wurde oft von Mitarbeiter:innen mit Fragen konfrontiert, für die ich zu diesem Zeitpunkt keine Kapazität hatte.
- Das Gespräch am Montagabend erfolgte nach einem anstrengenden Wochenende in der Gastronomie, was zu Müdigkeit auf beiden Seiten führte.
- Die Kommunikation während des Gesprächs war suboptimal, da der Geschäftsführer in dieser Hinsicht Schwächen zeigt. Obwohl ich den Betrieb gut kenne, kostet mich die Informationsbeschaffung viel Energie.
- Wir kamen zu einem Ergebnis und legten einige Schritte fest, die jedoch wiederum spontan und schnell umgesetzt werden müssen.
Folgerungen:
- Für das nächste Gespräch werde ich den Geschäftsführer bitten, die Themen im Voraus mitzuteilen, um mich besser vorbereiten zu können. Dadurch können wir effizienter arbeiten, und ich vermeide Zeit- und Energieverluste im Alltag.
- Ich halte weiterhin daran fest, dass die Bistrobar der richtige Ort ist, schlage jedoch vor, die Treffen vor oder nach den regulären Öffnungszeiten abzuhalten.
- Die Terminfindung wird weiterhin herausfordernd sein. Dennoch empfiehlt es sich, für anspruchsvolle Termine in der Mitte der Woche zusammenzusitzen und vielleicht nicht abends.
Anschlussfragen:
- Gibt es Schulungs- oder Entwicklungsmaßnahmen, die das Kommunikationstalent des Geschäftsführers verbessern könnten?
- Wie können die Meetings noch effizienter und energiesparender ablaufen?
- Wie kann ich klare Grenzen bei dem Mitarbeiter: innen ziehen, dass ich heute nur für das Meeting da bin und ich keine Kapazität für anderes habe, ohne verletzend oder nicht wertschätzend zu sein?
